1 IN A MILLION

"Ein verrücktes Jahr" hat die Grenze der 1 MILLIONEN Wörter geknackt! Wahnsinn! Für mich selbst fast unbegreiflch. Eine Millionen Wörter müssen erst einmal geschrieben werden, doch gibt es natürlich diejenigen, die tatsächlich eine Millionen Wörter gelesen haben. Vielen Dank also an all meine Leser! :o) Ihr seid die Besten!

Neu geordnet

Im Menüpunkt "Ein verrücktes Jahr" findet ihr nun die Unterteilung von 30 Tagen - damit das Suchen einfacher fällt :o) Ich musste zwar in alle Kapitel rein und sie neu anordnen, doch ich denke, dass es so übersichtlicher ist und ihr euch besser zurechtfindet :o)

Liebe nach Vertrag

Meine neue Geschichte steht in den Startlöchern! Bald wird es los gehen mit "Liebe nach Vertrag"!

Dieser Artikel ist den Jimjilbangs gewidmet.

Jimjilbang, was ist das überhaupt? Ein Badehaus – offiziell.

Ein Jimjilbang ist ein Ort der Erholung, des Schlafs, der Entspannung und des Essens. Bevor ich nach Korea ging hatte ich von Jimjilbangs gelesen, doch irgendwie hatte keiner dieser Berichte mich so wirklich schlau gemacht. Alles was ich wusste war, dass ich das austesten wollte.

In Deutschland gab es früher auch Badehäuser. Damals, als noch nicht jeder Haushalt ein eigenes Bad hatte, geschweige denn die Möglichkeit viel heißes Wasser zu besorgen. Also gab es Badehäuser, die die Leute besucht haben, um sich zu waschen. Diese Einrichtungen sind heute ausgestorben. Vergangenes Jahr hatte ich zwei Tage lang kein warmes Wasser und habe verzweifelt versucht einen Ort zu finden, an dem ich mich gescheit waschen konnte – ich bin vollkommen gescheitert.

Für uns Deutsche ist das also etwas fremd, selbst gewohnte Saunagänger werden feststellen, dass ein Badehaus in Korea doch etwas anders ist.

Generell weiß eigentlich jeder Koreaner wo sich ein Jimjilbang befindet, fragt eure Gastfamilie oder an der Hotelrezeption nach.

Jimjilbangs sind 24 Stunden geöffnet, ihr könnt also zu jeder Tages- oder Nachtzeit dort hin gehen. Betritt man ein Badehaus bezahlt man Eintritt. Der Nachttarif ist etwas höher als der Tagtarif. Das Badehaus, in dem ich immer war, kostet tagsüber 6.000,- Won und nachts 8.000,- Won.

Am Eingang bekommt man seine stylischen Jimjilbang-Klamotten, die die meisten von uns aus „Happy together“ kennen dürften. Die gibt es wirklich! Männlein und Weiblein trennen sich zuerst und man betritt den Umkleidebereich. Hier gibt es eine Theke an der man Getränke, Snacks und Pflegeprodukte kaufen kann und hier bekommt man seine Handtücher und einen Schlüssel für einen Spind.

Da wenig Touristen die Badehäuser nutzen, geben sich die meisten Badehausbesitzer keine Mühe damit Texte ins Englische zu übersetzen. In meinem Jimjilbang waren zwei Dinge ins Englische übersetzt. Einmal dass im gemischten Bereich immer die Jimjilbang-Klamotten anzuziehen sind und zum anderen Konfuzius-Sprüche, in der Art „A drown man will catch on a straw“ – sehr poetische, aber wenn man das erste Mal in einem Badehaus ist nicht sonderlich hilfreich.

Ich tat also das, was mein Überlebensinstinkt mir sagte: Ich suchte mir ein Opfer und stalkte ihr.

Zuerst sucht man sich einen Spind und verstaut seine Sachen darin – alle. Man zieht sich komplett aus und auch die Jimjilbangklamotten braucht man jetzt noch nicht. Nehmt ruhig Pflegeprodukte mit, Shampoo, Lotion, Duschgel, Peelingschwämme. All das gibt es auch im Badehaus, aber man muss sich ja nicht immer neue Sachen kaufen, wenn man es hat.

Also, man zieht sich komplett aus und nimmt seine Pflegesachen und seine zwei kleinen Handtücher und geht in den Badebereich. Hier gibt es Duschen zum Sitzen und zum Stehen, Becken zum Baden und Saunas.

Koreaner sind mit der Reinigung sehr gründlich. Ich habe versucht ihr Verhalten zu imitieren, hört dann aber auf, als meine Haut schmerzte. Sie waschen sich, peelen sich, waschen sich wieder, peelen sich wieder und waschen sich dann noch einmal, um sich dann wieder zu peelen. Unsere Haut ist das in diesem Ausmaße gar nicht gewohnt, wascht euch bis ihr denkt ihr seid sauber, das reich vollkommen^^

Es gibt ganz unterschiedliche Badebecken, Jade-Becken, Becken in denen irgendwelches Holz liegt, Kräuter-Becken und Massage-Becken mit Düsenantrieb. In der Regel sind diese Becken sehr heiß. Pilgert von Becken zu Becken, versucht euch zu entspannen und das Aroma aufzunehmen. Es gibt auch ein kaltes Becken, praktisch ein Schock-Becken. Wenn ihr merkt das euer Kreislauf nicht mitspielt, geht lieber aus dem heißen Becken raus und nehmt eine kalte Dusche oder geht in das kalte Becken. Ihr solltet eure Gesundheit nicht auf’s Spiel setzen.

Für mich, die es gewohnt ist Zuhause in der eigenen Badewanne zu liegen, alleine, war es befremdlich mit fremden Menschen nackt in einem Bereich zu sein – das Gefühl verging. Für Koreaner ist es vollkommen normal ins Badehaus zu gehen, sie schenken euch nur so viel Aufmerksamkeit weil ihr anders seid. Wie gesagt, wenige Touristen besuchen die Badehäuser und man ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Touristen-Attraktion“  :cheerful:

 

Nachdem ihr einige Zeit in den Becken verbracht habt, könnt ihr euch abduschen und noch einmal peelen. Es ist natürlich so, dass man alleine nicht an alle Stellen seines Körpers heran kommt. Es gibt Damen, Ajummas, die man bezahlen kann, dass sie einen peelen. Die Ajummas (Tantchens) haben zumindest eine Unterhose und ein Shirt an. Das Peelen kostet nicht viel, aber Achtung: Sie peelen euch überall. Überall. Auch das ist sehr befremdlich – zumindest für uns, denn die Frauen machen das jeden Tag.

Ich habe Berichte gelesen, in denen die Leute fast bis zum Blut gepeelt wurden, diese Erfahrung kann ich nicht teilen. Ich denke den Frauen ist klar, dass wir Europäer oder Nicht-Koreaner es nicht so gewohnt sind und unsere Haut deswegen empfindlicher ist. Wenn es zu viel wird, sagt ihr einfach das sie aufhören soll.

Wenn ihr im Badebereich Saunaräume habt, sind das die einzigen Saunas in die ihr nackt hinein geht. Meistens steht auch hier ein Pott mit Salz um sich – Achtung – zu peelen.

Danach könnt ihr noch einmal duschen und euch die Haare waschen.

Im Umkleideraum trocknet man sich ab, es gibt Stationen an den Föhns zur Verfügung stehen (meistens wirft man Kleingeld hinein), verschiedene Cremes und Bürsten. Da macht man sich also erst einmal fertig und packt sich in seine Jimjilbangklamotten an.

Jetzt beginnt der eigentliche Spaß. Jimjilbangs heute sind auch moderner geworden und meistens sehr groß. In der Mitte ist eine Ruhefläche, sie ist mit Matten ausgelegt und man kann sich große Handtücher holen, Matten und Kopfstützen. Es gibt Massage-Räume, manchmal sogar einen Friseur oder ein Nagelstudio in einem Jimjilbang. Um den Ruhebereich herum liegen die verschiedenen Räume. Mein „Stamm-Jimjilbang“ hatte 6 Etagen. Die Räume im 1. Stocken waren noch recht harmlos. Es gab Sauerstoff-Räume, teilweise gemischt, aber auch nach Geschlecht getrennt, es gab Räume mit Wärmelampen und Ruheräume.

Ebenso gibt es meistens auch Entertainment-Räume oder wie in meinem Fall eine ganze Etage. Dort fand ich Internet-Räume, sogar Meeting-Räume, PC-Spiele-Räume, einen Fernsehraum und eine Bücherei.

Doch dann gibt es noch die richtigen Saunaräume. Sie sind meistens nicht sehr groß und haben immer ein Thema, es gibt Salzsaunas, Jadesaunas, es gab einen Saunaraum in dem man in etwas liegt, was aussieht wie ein Pizzaofen – es war irgendein ausgehärteter Schlamm, der wohl gut für die Haut ist. Außen an dem Raum steht meistens welcher Raum es ist und auf wie viel Grad er ist. Es gibt keine Bänke auf die man sich setzt, man setzt sich auf den Boden oder in das Salz oder in die Jadesteine.

Der wesentliche Unterschied zwischen der europäischen Sauna und der koreanischen Sauna ist recht einfach. Bei uns geht es darum, durch dem Wechsel von warm und kalt den Kreislauf anzuregen. In Korea geht es um Wärme. Die Ruhebereiche in der Mitte sind warm, die Räume sind warm, es ist überall warm. Man hat immer seine Klamotten an. Es gibt auch Eis-Räume, die auf -15°C sind, als Abwechslung, aber eigentlich geht es um Wärme und ums Wohlfühlen.

Man bekommt dort rund um die Uhr zu essen, an den Snack-Bars oder in den Restaurants. Da die Badehäuser rund um die Uhr offen haben, trifft man nachts dort auch einige junge Leute, zum Beispiel wenn sie die Sperrstunde ihres Wohnheims versäumt haben. Ein Jimjilbang für die Nacht ist günstiger als ein Hotel. Auch trifft man, vor allem am Wochenende, dort Pärchen. Die Eltern lassen Pärchen ins Jimjilbang, weil sie wissen, dass sie dort ja nichts anstellen können. Auf jeder Ebene gibt es einen Aufpasser, der guckt das niemand zu laut ist oder sich zu nahe kommt.

Es ist ein Ort der Ruhe, ohne Handys und Laptops. Es gibt sogar richtige Schlafräume mit Stockbetten. In meinem Jimjilbang gab es vier verschiedene: Frauen, Männer, Gemischt und Schnarcher  :w00t: Da musste ich schon mal grinsen.

Wie gesagt, es ist befremdlich und anders, doch man wird dazu gezwungen sich zu entspannen und in einem stressigen Urlaub kann das auch mal sehr gut sein  :happy: Vor allem wenn die Geschäfte geschlossen haben und man nicht weiß, was man abends tun soll, ist ein Besuch im Badehaus eine Erfahrung wert.

 

Hier mal das Video von einem Besucher, der wohl heimlich gefilmt hat:

 

Annyong!

Vielen Dank, dass du auf meiner Seite gelandet bist. Schaue dich ruhig um, es gibt viel zu entdecken. (◕‿◕✿)

Facebook Twitter 

Categories: Urlaubshilfe

Leave a Reply


:alien: :angel: :angry: :blink: :blush: :cheerful: :cool: :cwy: :devil: :dizzy: :ermm: :face: :getlost: :biggrin: :happy: :heart: :kissing: :lol: :ninja: :pinch: :pouty: :sad: :shocked: :sick: :sideways: :silly: :sleeping: :smile: :tongue: :unsure: :w00t: :wassat: :whistle: :wink: :wub:
  • RSS
  • Linkedin
  • Facebook
  • Twitter
  • Linkedin